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Edelleute, Gesinde, Gaukler, Pfaffenvolk – das Mittelalter lebt
Großes Spectaculum eröffnet „Historischen Markt“ in der Bergfeste Dilsberg
13. September 2008
 
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Zutritt in die Dilsberger Bergfeste gewährten die Knappen nur nach Berappung eines „Wegezolls“, erst danach gaben sie den Weg zum „Historischen Markttreiben“ frei. Spätestens beim Durchschreiten des Torturms drehte sich die Zeit zurück, denn die idyllische Feste war kaum wiederzuerkennen.
 
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Unzählige Strohballen und historische Stände prägten das Bild, Edelleute sowie mittelalterlich gewandetes Gesinde tummelten sich auf dem Gelände und boten ihre Ware feil.
 
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Nachtwächter zogen durch die Gassen und verkündeten die nahende Markteröffnung mit großem Spectaculum. Ausscheller und Obernachtwächter Erwin Lanzer schwang die Glocke und bat das Gesinde alle Stände zu belagern und sich die Bäuche vollzuschlagen, damit sie gesund bleiben.
 

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Zur vierzehnten Stunde des dreizehnten Tages im neunten Monat Anno 2008 verkündeten Fanfarenklänge (Musikzug Dilsberg, Fanfarenzug Perkeo Heidelberg) den Beginn des lang erwarteten Marktes und schwenkten die Fahnen.
 
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Zu Ehren des 800-jährigen Jubiläums der Burg trafen Schultheiß-Stellvertreter Winfried Schimpf und Burgvogt Stefan Wiltschko in einer Kutsche ein, grüßten huldvoll ihr Volk und beobachteten das lebhafte Treiben. Die Nachtwächter versprachen wie seit vielen Jahren ihre Runden zu drehen und aufzupassen, dass in der Nacht nicht viel passiert. Dabei erhielten sie von einem Kollegen aus Aalen Unterstützung.
 
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Im Rund der Burgbühne kündigte Moderator Karlheinz Streib die Tanzgruppe Anni Richter an, die in farbenfrohen Gewändern mit mittelalterlichen Schrittfolgen für Kurzweil sorgten.
 
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Doch kaum war ihr Beifall verklungen stürmte eine Ziegenherde samt Gesindel durch das Areal und bevor es weitergehen konnte, musste erst mal das „Lumpenpack“ (Jutta Münch und Gruppe) verscheucht werden.
 
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Dann betraten die aus Freiburg angereisten Spielleute „Heidenspass“ die Bühne und verschafften mit bekannten und eigens komponierten mittelalterlichen Klängen, begleitet von launigen Worten jede Menge Spaß.
 
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Die „Dilsberger Kantorei“ öffnete eine Schatzkiste mit authentischen Liedern und erfreute das Publikum unter der Leitung von Markus Karch mit einer temperamentvollen Auswahl an Sauf- und Liebesliedern.
 
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Dem einsetzenden Regen trotzten die glänzend aufgelegten Gaukler der „Kleinen Bühne“ Neckargemünd und faszinierten mit großartigen Jongleurkünsten und humoristischen Einlagen. Leiter und Feuerspucker Rudi Reimitz schickte mitsamt Kollegen eine extra große Feuersalve gegen Himmel, doch leider ließ sich der Regen nicht abstellen, so dass einige Programmpunkte dem Wasser zum Opfer fielen.
 
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So hieß Ortsvorsteher Wiltschko bei ungünstiger Witterung besonders herzlich willkommen, würdigte die großartige Leistung der Dilsberger, versprach Steuerfreiheit bis zum Jahresende und bat die anwesende Landtagsabgeordnete Elke Brunnemer bei der Realisierung um Unterstützung. Bürgermeisterstellvertreter Schimpf empfahl dem Regen am besten mit einem sonnigen Lachen zu trotzen, was perfekt gelang, denn gegen Abend spielte endlich auch das Wetter mit.
 
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Herold (Bernhard Hoffmann) entrollte die Dokumentenrolle mit der Marktordnung und ermahnte die Händler, ihre Waren gut und günstig feilzubieten, während die Besucher die Ware nicht nur befummeln sondern auch kaufen mögen. „Vergesst die Bettler nicht, hört auf Knappen und Wächter, lasst eure Schwerter in der Scheide stecken und vergesst auf dem Heimweg eure Weiber nicht!“, verkündete er im Rund.
 
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Michael Lehnert von der Palmbräu-Brauerei stellte ein Fass bereit, doch der Gerstensaft sträubte sich zunächst, denn erst im dritten Versuch gelang es Ortsvorsteher und Bürgermeisterstellvertreter mit gemeinsamen Kräften den Hahn ins Spundloch zu schlagen und zu vermelden: „Es ist vollbracht!“
 
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In den Gassen und im Schlossgarten herrschte bis Mitternacht ein buntes Treiben - historische Stände, Handwerksleute und Lagergruppen boten ein imposantes Bild.
 
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Großen Andrang verzeichnenten die Stände, an denen man selbst etwas ausprobieren oder gestalten konnte. Die "Freye Bogner zu Darsperg" ermöglichten den Umgang mit Pfeil und Bogen. Bogensehne spannen, Ziel anvisieren und ab ging der Pfeil. Am Lager von Armin Müller gab es Informationen über das Schmiedehandwerk. Kräftig wurde mit dem Hammer auf den Amboss geschlagen und das heiße Eisen in die gewünschte Form gehauen. Auch bei Steinmetz Rolke durfte man selbst Hand anlegen und einen großen Naturstein bearbeiten. Ausgestattet mit Schutzbrille wurde mit dem Knüpfel das Beizeisen geschlagen und es entstanden beachtliche dreidimensionale "Kunstwerke".
 
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ie diffizile Herstellung von Drechselarbeiten konnte man bei "Yggdrasil" beobachten. Interessant war ein Besuch in der "Zehntscheuer" bei Roland und Karin Erles, wo mit einer manuell betriebenen Mostpresse frischer Apfelsaft hergestellt wurde. Von der Presse ins Fass und auf direktem Weg ins Glas, noch frischer geht es nicht.
 
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Alte Märchen, ein Blick in die Zukunft oder Ablassbriefe sorgten ebenso für Kurzweil wie Gaukler und Bettler, die durch die Gassen zogen und Spielleute sowie Chöre unterhielten das Volk. Selbst die Besucher wurden aktiv und boten ihre Handwerkskunst an. Haare schneiden oder Zahn ziehen lautete das Angebot an "Bruder Rainer" und der zögerte nicht, sondern ließ sich von Traudl aus Geschwend mit der Buchsbaumschere einen neuen Haarschnitt verpassen.
 
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Knisternde Holzscheite schufen ein stimmungsvolles Ambiente und Wärme. Leckere Düfte von Gewürzen und Speisen zogen über den Markt und für ein paar Silberlinge konnte man sich den Wanst vollschlagen.
 
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Auf der Burgbühne warfen große Ereignisse ihre Instrumente voraus, so begrüßte "Kriegfried der Unentschlossene" die Besucher zum Feuerspectaculum, einer gemeinsamen Darbietung der Spielleute "Heidenspass", der "Kleinen Bühne" und "Leben Anno 1482". Die Spielleute der Herzen hielten ihre Aufwacht und verschafften einen Heidenspaß, ihre Begeisterung ging aufs Publikum über und gemeinsam tanzte man den Besenritt. "Musik für die Augen" betitelte "Kriegfried" das grandiose Zusammenspiel der Gaukler und Spielleute, welches wahre Begeisterungsstürme auslöste.
 
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Feuerspucker wetteiferten um die größte Flamme und erleuchteten den Nachthimmel mit riesigen Feuerflammen. Ein faszinierendes Lichtspiel boten die kunstvollen Kombinationen der in Kreisbahnen um den Körper geschwungener Pois (Feuerketten) und lösten immer wieder riesigen Applaus aus. Die bis auf den letzten Platz gefüllte Burgbühne erlebte ein Spectaculum vom Feinsten, was der lang anhaltende Beifall bestätigte.
 
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Den krönenden Abschluss bildete ein funkelndes Feuerwerk, welches von Familie Stalinger vom Landgsthof „Die Rainbach“ gestiftet wurde.
 

Bilder: bz
Text: boe