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Für die Burgbühne Dilsberg hat der Siebenschläfer eine ganz besondere Bedeutung, denn am 27. Juni startet die Freilichtsaison 2014 und feiert mit „Alice im Wunderland“ Premiere. An drei Wochenenden, jeweils freitags und samstags um 19:30 Uhr, unterhält das Kinder- und Jugendtheater mit einer fantastischen Geschichte voller schräger Figuren inmitten einer zauberhaften Kulisse. Nach der Vorlage von Lewis Carroll schrieb Tanja Emmerich (27) eine fantasievolle Theaterfassung. Wir sprachen mit der jungen Regisseurin, deren Ensemble für seine sprühende Spielfreude und Musikalität bekannt ist.
 
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Burgbühne startet
mit Alice ins Wunderland

 
Interview mit Regisseurin Tanja Emmerich 
19. Juni 2014


Tanja, wir kennen uns schon lange, deshalb bleibe ich beim vertrauten Du. Nach zwei Stücken in der Halle, „Das kleine Gespenst“ und „Es ist Weihnachten, Mr. Scrooge!“, führst Du bei „Alice“ zum ersten Mal in einer Freilicht-Inszenierung Regie. Gibt es diesbezüglich Unterschiede?

Tanja: Es gibt definitiv Unterschiede. Die Arbeit in der Halle ist Wetter unabhängig, was im Freien schon mal Probleme machen kann. Dafür haben wir auf der Freilichtbühne andere Lichtmöglichkeiten. Hier ist es schöner, größer und freier und die Kidz fühlen sich wohler.  

Du bist als Laiendarstellerin bei der Burgbühne groß geworden, welche Rollen hast Du gespielt und welche war für Dich die reizvollste?
Tanja: Durch meine Mama, die in der Maske aktiv ist, kam ich zur Burgbühne, da war ich so  8 oder 10 Jahre alt und habe im Traditionsstück „Rose von Dilsberg“ im Kinderreigen angefangen und die Renate gespielt. Dann kam Regisseur Alfons Duczek und meine erste Herausforderung in „Don Gil von den grünen Hosen“, weil ich das erste Mal singen musste. Im Stück „Der zerbrochene Krug“ hatte ich nur eine Nebenrolle als Magd, aber das absolut Reizvollste war bisher beim „Zauberer von Oz“ die Rolle der bösen Hexe.  
 
Wie kamst Du zur Regiearbeit?
Tanja: Schon früher habe ich Geschichten geschrieben und für die Schule Stücke für die Abschlussfeiern. Da musste einer das Zepter in die Hand nehmen und anleiten sowie die Requisiten organisieren, das hat mir Spaß gemacht. Im Schreiben kann ich mich besser ausdrücken als mit Worten. Als der „Zauber“ zum ersten Mal unter der Regie von Petra Kirsch aufgeführt wurde vertraute sie mir die zwei Szenen mit den Krähen und Apfelbäumen an und motivierte mich dazu in dieser Richtung weiter zu machen. Darin hat mich auch Alfons Duczek unterstützt und dann habe ich mich an „Das kleine Gespenst“ gemacht.
 
Was findest Du reizvoller die Schauspielerei oder die Regiearbeit?
Tanja: Die Schauspielerei ist toll, da kann man in verschiedene Rollen schlüpfen. Wenn man Regiearbeit macht und gleichzeitig den Text schreibt hüpft man jedoch automatisch in mehrere Rollen. Für mich ist die Regie reizvoller, weil man das Stück zu seinem Machen kann, indem man einfach alles was man denkt und möchte reinpackt.   
 
Ende Juni feiert „Alice im Wunderland“ Premiere, was ist für Dich das Besondere an der Geschichte?
Tanja: Als Kind fand ich die Geschichte scheußlich, doch als es hieß was spielen wir,  kam sie mir wieder entgegen. Solche Geschichten nehme ich gerne und mache sie zu meinen eigenen, so dass es mir gefällt. Beim Schreiben habe ich in Alice mich als  Kind wiedergesehen und viele solcher Gedanken in die Monologe reingepackt. Das war mal etwas anderes, eine total verrückte Geschichte und doch mit Ernsthaftigkeit dabei. Für die Schauspieler war das eine Herausforderung.  
 
Ausgewählte Literaturvorlagen schreibst du individuell für deine BB-Kidz um, wodurch jedes Stück eine eigene Note erhält. Gibt es einen speziellen Ort, wo Deine kreativen Ideen entstehen und wie lange hast du an Alice geschrieben?
Tanja: Ich schreibe an meinem Schreibtisch mit Blick auf den Wald, aber die meisten Ideen kommen mir auf der Fahrt zwischen Mückenloch und Dilsberg, immer an der gleichen Stelle. Am liebsten schreibe ich nachts und es hat einen guten Monat gedauert bis Alice fertig war. Allerdings war der Einstieg wieder schwer, deshalb entstanden Dreiviertel des Textbuchs innerhalb von einer Woche - ich brauche den Druck.  
 
Deine „Alice“ hast Du der kleinen Emily gewidmet, was bewegte Dich dazu?
Tanja: Emily habe ich trotz ihrer Krebserkrankung als fröhliches, starkes Mädchen kennengelernt, das einem selbst immer nur Mut gegeben hat nie aufzugeben. So sehe ich Alice, die sich durchkämpft und immer wieder Mut fasst den nächsten Schritt zu gehen. Ich wollte der Achtjährigen eine Geschichte geben, damit sie sich ihr Wunderland vorstellen kann – es war ihre letzte Geschichte.  
 
Über 50 Akteure im Alter von 6 bis 28 Jahren stehen bei „Alice“ auf der Bühne und trotz des Altersunterschiedes ist eine große Harmonie spürbar. Wie funktioniert das?
Tanja: Was an dieser großen Gruppe toll ist, dass sie jeden akzeptieren und aufnehmen. Die Kidz sind einfach aufgeschlossen ohne Vorurteile, da hat sich eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Wie in einer Familie gibt es mal ein bisschen Krach und es wird sich gefetzt, aber am Schluss ist wieder alles gut und man versteht sich. Jeder konzentriert sich auf das gemeinsame Ziel, unser Stück.  

Bei der Burgbühne bist Du als Frau für alle Fälle bekannt, wenn es irgendwo klemmt bist Du da und versuchst es zu richten, egal ob vor, hinter oder auf der Bühne oder als „Kummertante“ bei Problemen der Kidz. Wie schaffst Du das?
Tanja: Mein Spruch ist: Alles für die Kidz! Meine Energie ziehe ich aus dem Stück. Abends bin ich oft bis 23 Uhr auf der Burgbühne und morgens um 6 Uhr klingelt der Wecker für meinen normalen Job als Bürokauffrau. Am Nachmittag bin ich eine halbe Stunde zu Hause und dann wieder auf der Burgbühne. Zwei Wochen vor der Premiere nehme ich aber Urlaub, sonst packe ich die heiße Phase nicht. Das Ganze ist jedoch nur mit meinen Helfern möglich und das sind meine vier besten Freunde, ohne die hätte ich nicht die Kraft.  
 
Gibt es bereits konkrete Zukunftspläne? Was werden wir von Tanja Emmerich als nächstes hören?
Tanja: Wenn alles gut läuft, fange ich im September mit dem Studium als Theaterpädagogin in Heidelberg an. Dafür nehme ich während der Aufführungszeit von Alice am Aufnahme-Workshop teil und muss selbst vorsprechen und spielen.  
 
Vielen Dank für das Interview, wir wünschen alles Gute für die Aufführungen und weiterhin viel Erfolg.

 

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BB-Kidz

Bilder: bz
Text: boe
© www.dilsberg.de   22.06.2014