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Musik - die beste Brücke für alle Menschen
Benefizkonzert für Motil/Peru in der Dilsberger St.Bartholomäuskirche
25. Mai 2014
 
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Vorab: Es war ein ungewöhnliches, nicht alltägliches und wunderbares Konzert, das die amerikanische Künstlerfamilie Borowsky am Wahlsonntag den Zuhörern in der St. Bartholomäuskirche darbot.
 
Auf ihrer Europatournee war es der Familie Borowsky ausdrücklicher Wunsch,für den Peru-Kreis der kath. Pfarrgemeinde Dilsberg-Mückenloch ein Benefizkonzert zugunsten der Partnergemeinde Motil in Peru zu geben. Die Familie wurde von der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis drei Nächte im Kommandantenhaus der Burg untergebracht und von Dilsberger Bürgern freundschaftlich umsorgt. Für das räumliche Umfeld des Konzerts sorgte der Peru-Kreis Barbara Berberich in Ihrer Begrüßungsrede ihrer Freude über die "Herzensangelegenheit" und Freundschaft der weltweit auftretenden Künstlerfamilie Ausdruck verlieh. "The American Virtuosi" - Elternpaar Prof. Cycilia Barczyk-Borowsky, eine international berühmte und gefragte Cellistin, die ihr technisches und musikpädagogisches Können auch der Familie zur Verfügung stellt, und Sozialwissenschaftler Prof. Charles Borowsky (Harmonica, Gesang) mit ihren drei erwachsenen hochmusikalischen Kindern Elisabeth (Piano), Emmanuel (Geige) und Frances (Cello)-, sie alle gastierten bereits in 97 Ländern der Erde, stets ihrem Motto getreu: Musik möge nicht nur erfreuen, sondern als Brücke zu Frieden und Verbrüderung zwischen den Völkern beitragen.
 
Wir Dilsberger kennen die Familie Borowsky schon seit 2008, weilten sie doch drei Monate auf Einladung der Kulturstiftung des Rhein-Neckar-Kreises zum unvergessenen Burgjubiläum in der Feste. Wir erinnern uns alle an das von ihnen geschenkte Benefizkonzert insbesondere deshalb, weil dabei die von den drei Geschwistern überraschend in einer Woche komponierte Uraufführung "Postkarten vom Dilsberg" stattfand, ein 5-sätziges Werk, das den Dilsberg sowohl heute mit seiner Ruhe und vielstimmigem Vogelgesang am Morgen wie historisch mit all seinen Legenden musikalisch bildhaft und eindrucksvoll interpretierte. Bezaubernde, mystische, feierliche, thriumphierende, in sich ruhende und rhythmisch beschwingte, auch kämpferische Melodien mit interessant unterlegter Vielstimmigkeit kamen da -mit großem Elan und technischem Können vorgetragen- zum Klingen. Wie Charles B. als Moderator nun ausführte, ward dieses Opus inzwischen in vielen Konzerten zu Gehör gebracht und damit die Verbundenheit der Künstlerfamilie zu unserem kleinen Dilsberg in alle Welt getragen. "Postcards from Dilsberg" war nach eigener Aussage die erste gemeinsame Komposition der drei Geschwister, deren Erfolg ihnen Mut machte, gemeinsam weiter zu komponieren, und zwar für Geige, zwei Celli, Klavier und zeitweilig Harmonica oder Bariton-Stimme, damit die ganze Familie zusammen musizieren kann. So standen im jetzigen Konzert außer der Wiederholung der "Postcards" zwei weitere sehr ausdrucksstarke und hörenswerte Kompositionen auf dem Programm: "These three remain" und "In Memoriam".

Wie komponiert man gemeinsam? Die drei Musiker haben es verraten: Sie suchten sich gemeinsam ein Thema, z.B. bei "These three remain" "a simple gift", was in etwa mit "ein in den Schoß gefallenes Geschenk" zu übersetzen sein mag. Dann gingen sie in Einzelklausur. Später diskutierten sie ihre gedanklichen und musikalischen Einfälle und waren erstaunt, dass sie alle drei "bittersweet memories" (zunächst schmerzliche, aber im Rückblick ihre Lebensläufe positiv beeinflussende Erinnerungen) gewählt hatten. Daraus entstanden von Emmanuel "Faith" (Glaube), von Elisabeth "Hope" (Hoffnung) und von Frances "Love" (Liebe). Die drei Sätze machen dem Zuhörer deutlich, welch intensiv erlebte Phasen diese jungen Menschen prägten. Tief in der Seele Empfundenes haben sie in Musik umgesetzt, die uns Mut zuspricht, dass sich alles wieder zum Guten wenden kann - ganz ohne Worte. "Faith" kam zunächst als Dialog zwischen den Streichern und dem Klavier daher, akkordisch festgefügt und choralhaft, um danach durch fugenhafte Einsätze der vier Instrumente und reich gefächerte Agitationen den Zuhörer regelrecht zu verwirren. Doch endlich gelang es dem Piano akkordisch bestimmend, alle zu einem choralhaften Stimmungsbild zusammenzuführen. In "Hope" keimten aus der trostlosen Musik immer wieder hell leuchtende Funken der Hoffnung auf. Durch die in der Stimmführung aneinander gelehnten Streichinstrumente wurde ergreifend für den Hörer deutlich, wie wichtig in hoffnungslosen Situationen die Zuwendung von anderen ist. Bemerkenswert war, wie bei diesem Satz alle aufeinander zu spielten! In "Love" nahm die Liebe einen immer weiter sich ausbreitenden Raum ein, eine für den Hörer befreiende Komposition! Musikalisch war sie eine dynamische Herausforderung für die vier Kammermusiker, die sie aber immer umgreifender bis zu klangsattem, immer jedoch edlem Klangvolumen beeindruckend zu meistern vermochten. Liebe erfüllte den ganzen Raum.

Im zweiten Werk "In Memoriam" -eine Auftragskomposition des litauischen Präsidenten im Jahr 2013- setzten sich die jungen Künstler kompositorisch mit "Deportations", "Gulag" und "Resurrection" (Wiederaufleben) dreisätzig auseinander. Ein Schauer lief dem Berichterstatter im 1.Satz über den Rücken, als sich das unbarmherzig wiederholte Klopfen auf Holz und der laute Ruf "Raus, raus!" zu der düsteren, ostinaten Musik und den extrem hohen, auf die Nerven gehenden Flageoletttönen der Geige gesellten. Das rief in ihm eine Erinnerung wach an eine Septembernacht 1944, wo er, seine Eltern und Nachbarn unter Zwang der Besatzer auf diese Weise aus der Wohnung gejagt wurden......... Die tief ergreifende Musik setzte sich im 2.Satz mit einer schlichten Melodie auf der aus der Hosentasche gezogenen Harmonica fort, die Charles B. so spielte, wie sie Deportierte wohl oft zur Ablenkung von ihrer trostlosen Lage im Lager gespielt haben mögen. Der letzte Satz entwickelte in kultureller Vielfalt aufblühend, facettenreich das Wiederaufleben der verfolgten Völker nach dem Krieg. Wir beiden Berichterstatter ziehen unseren Hut vor diesem engagierten und tiefgründigen, politisch gewichtigen Werk, das -hervorragend kompositorisch gestaltet und musiziert- emotional erschütternd daran zu mahnen vermochte, welch Unheil Hass, Gewalt und Krieg anrichten, und das im letzten Teil ermutigend um Frieden in der Welt wirbt.

Die eigenen Kompositionen waren im Programm in Werke aus der Welt der Klassik eingebettet.
Emmanuel B. eröffnete das Konzert mit der berühmten, nur für wahre Virtuosen spielbaren "Chaconne" aus der d-moll-Suite für Geige allein von Joh.Seb.Bach (1685-1750). Er meisterte das einzigartigartige Stück bravourös. Es bedarf wegen der über alle vier Saiten zu arpeggierenden Akkorde, der polyphonen Mehrstimmigkeit in unzähligen Themenvariationen, sich immer diffiziler aufbauenden klanglichen, dynamischen wie rhythmischen Spannungen und im Schwierigkeitsgrad sich immer weiter steigernden finger- und bogentechnischen Herausforderungen eines exzellenten Meisters seines Instruments. Emmanuels Spiel zeigte deutlich diese Meisterschaft, auch eine tiefe Empfindsamkeit für Joh. Seb. Bachs Musik und war einfach faszinierend, wofür er mit viel Applaus bedacht wurde.

Nicht minder enthusiastisch präsentierten die beiden Schwestern im Duo die 1950 geschriebenen "5 Stücke" des georgischen, folkloristisch beeinflussten Komponisten Sulchan Tsintsadze (1925-1991). Frances B., die z.Zt. in Essen studiert und erst 21 Lenze zählt, spielte dieses Werk, das finger- wie bogentechnisch hohe Anforderungen stellt, brillant und sehr ausdrucksstark im Wechsel zwischen wunderschöner Gesanglichkeit, schwungvoll tänzerischem Elan und rhythmisch aufleuchtenden Staccati. Im zweiten Satz konnte sich der Zuhörer des klanglich und technisch ausgefeilten Solospiels der jungen Musikerin erfreuen. Mit ihrem erwähnenswert guten Bogenstrich entlockte sie ihrem Cello die wunderschönsten Klänge. Elisabeth B. war ihr eine ausgezeichnete Duo-Partnerin. Das exquisite Zusammenspiel der beiden Schwestern war voll großer Lebendigkeit und rhythmischem Schwung. Was Elisabeth B. als klassische Pianistin auf dem statt eines Flügels ihr zur Verfügung stehenden E-Piano an Tönen hervorzauberte, war bewundernswert, ohne allerdings den Klang eines Flügel ersetzen zu können, was auch für ihr Solo -"3 Preludes" von George Gershwin (1898-1937) gilt. Elisabeth B. gelang es, von diesem Mangel mit ihrem beschwingten Spiel abzulenken und zeigte bei den "3 Preludes" nicht nur eine ausgezeichnete und ausgereifte Technik, sondern entfaltete gekonnt und facettenreich in ihrem Spiel die elegante rhythmische Lockerheit und tänzerische Leichtigkeit, deren Gershwins Musik bedarf, ohne zu leichtfüßig zu werden.

Cecylia B. hat ihren anspruchsvollen und mit wunderschönem Bogenstrich gespielten Part bei den Eigenkompositionen ihrer Kinder als Cellistin bewundernswert bescheiden eingebracht und doch vielleicht gerade dadurch das Musizieren ihrer Kinder mit ihrem auf Harmonisierung bedachtem exquisiten Spiel gekonnt bereichert.

Ein von Elisabeth arrangiertes Potpourri mit Musik aus der ganzen Welt zeigte nochmals ihre kompositorische Begabung und die ganze Bandbreite, in der diese Musikerfamilie in der Lage ist, authentische Interpretationen bis hin zur japanischen Musik anzubieten. Als Charles B. noch dazu seine Harmonica blies und gar ein Lied singend zum besten gab, kam fröhliche Stimmung auf. Frenetischer Beifall und eine Gabe für Peru war der Dank für dieses interessante und durch seine Vielfalt alle begeisternde Konzert der "The American Virtuosi", die hoffentlich bald wieder auf dem Dilsberg zu Gast sein werden.

Ein kleiner Imbiss des Peru-Kreises und zwei entzückende Solotänze der Peruanerin Noemi Hess im Pfarrhof rundeten bei guten Gesprächen mit der Musikerfamilie Borowsky den außergewöhnlichen Abend ab. Ein besonderes Dankeschön an die Künstlerfamilie sowie auch an alle, die mithalfen, dieses ausgezeichnete Konzert zu verwirklichen!


Text: Frans Hermans & Elke Kulms
Bilder: Rupert Dworschak
© www.dilsberg.de 30.05.2014

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