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„Wir haben kämpfen müssen, aber das Gute überwiegt!“
Renate und Erich Neumann feiern ihre Diamantene Hochzeit
24. April 2014
 
NeumannHochzeit1954
Hochzeit 1954
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Vor 60 Jahren wagten sie in der ehemaligen DDR den Schritt vor den Traualtar. Heute feiern Renate und Erich Neumann ihre Diamantene Hochzeit und blicken auf bewegte Zeiten zurück. „Es gab gute und schlechte Zeiten, wir haben kämpfen müssen, aber das Gute überwiegt.“, sagt Renate Neumann und er stimmt ohne Einschränkung zu. Ein Paar das sich ohne große Worte versteht und die Zweisamkeit im Alter, umgeben von der immer größer werdenden Familie, genießt.  
 
Das erste Mal sah sie den begeisterten Fußballspieler nicht auf dem Fußballplatz sondern am Schwimmbad, wo er mit seinem Fahrrad stand als sie mit Freundinnen von einer Radtour zurückkehrte. Sie fand ihn sofort attraktiv und als sie der Zufall ein paar Tage später wieder zusammenführte, wusste sie „der oder keiner“. Ihm ging es nicht anders und so kam es wie es kommen musste, man ging fortan gemeinsam durchs Leben. Für die Hochzeitsfeier wurden fleißig Lebensmittelmarken gesammelt. Während sich das junge Paar auf dem Standesamt das Jawort gab kochte eine Tante und das Küchenteam stieß immer mal wieder auf das Glück der Beiden an. Der Bräutigam fand dies nicht ganz so lustig und konnte erst darüber lächeln als die beschwipsten Helfer am Abend einen leckeren Braten servierten.  
 
Nach der Geburt des ersten Sohnes musste Renate Neumann ihren Arbeitsplatz in Westberlin aufgeben, da es für Westarbeiter in Ostberlin keinen Kindergartenplatz gab. Ehemann Erich arbeitet ebenfalls im Westteil in einem Reifenwerk und hatte als Grenzgänger finanzielle Vorteile, da das Gehalt zur Hälfte in West- und Ostmark ausbezahlt wurde. Davon konnte sich das Paar Kleidung und Schuhe kaufen, Elektrogeräte hingegen waren untersagt. Als Grenzgänger erhielt er alle drei Monate eine gültige Bescheinigung und musste auf seinem Arbeitsweg drei Kontrollstellen passieren. Waren die Kinder krank so holte man im Westen Medikamente. Vorteile, die im Osten auch beneidet wurden. Heute sagen die Neumanns: „Uns ging es relativ gut, erst als der Mauerbau begann wurde es brenzlig.“ Inzwischen hatte man drei Kinder und lebte in einer schönen Dreizimmerwohnung, doch jetzt waren Entscheidungen gefragt und die Freiheit wichtiger. Eines Morgens ging er wie gewohnt zur Arbeit und sie unternahm mit den Kindern einen Ausflug über die noch offene Grenze. Außer der Kleidung die sie trugen hatten sie nichts dabei und fingen wieder ganz von vorne an.  
 
Nach Lageraufenthalten in Uelzen und Gießen kamen sie nach Raststatt, wo sie hörten, dass in Bammental Arbeiter für die Tapetenfabrik gesucht wurden. Mit einem befreundeten Paar machten sie sich auf den Weg, doch die Bezahlung war zu gering und aus dem Job wurde nichts. Auf ihrem Spaziergang durch die Gemeinde entdeckten die Frauen die Mauserwerke und fragten hier nach Arbeit. Die Männer erfuhren auf dem Arbeitsamt, dass das Bauunternehmen Draxler Leute braucht, stellten sich vor und bekamen die Antwort: „Ihr könnt morgen gleich anfangen.“ Erich Neumann arbeitete sich als Maurer hoch und blieb 33 Jahre. Ihre erste Wohnung bestand aus einem Zimmer und zwei Betten, doch die fünfköpfige Familie machte das Beste daraus. „Wir haben nichts geschenkt bekommen.“, erzählt Renate Neumann und fügt stolz hinzu, „aber alles mit unser Hände Arbeit erschaffen.“ Ihr Berufsweg war wechselhafter. Als sie ihre Stelle aufgrund von Rheuma aufgeben musste, fing sie bei der Firma Natterer als Näherin an, wechselte später in eine Jeansfabrik nach Schatthausen und arbeitete zum Schluss in der Orthopädischen Klinik.
 
37 Jahre wohnten die Neumanns in Bammental bevor sie zu ihrer Tochter und deren Familie auf den Dilsberg zogen, wo sich schnell heimisch fühlten. Abgesehen von alterstypischen kleinen Wehwehchen ist das Diamantene Brautpaar fit und genießt die Familie, die inzwischen aus vier Kindern, sieben Enkeln und zwei Urenkeln besteht. Das gemeinsam Erlebte schweißte beide zusammen und den guten Kontakt zu den Kindern und Enkelkindern genießen sie aus vollem Herzen.  
 
Unter den vielen Gratulanten weilte auch Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann, der die Glückwünsche von Bürgermeister Horst Althoff und die Urkunde des Landes Baden-Württemberg von Ministerpräsident Winfried Kretschmann überbrachte. Auch dilsberg.de gratuliert dem Diamantenen Brautpaar und wünscht noch viele gemeinsame Jahre.
 
Text: boe
Bilder: bz
© www.dilsberg.de   24.04.2014
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