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Bodenständigkeit trifft Universum
Internationale Künstler im Dilsberger Kommandantenhaus
27. September 2013
 
Das idyllisch neben der historischen Burgruine gelegene Kommandantenhaus auf dem Dilsberg ist für drei Monate inspiratorische Wirkungsstätte zweier internationaler Künstlerinnen der bildenden Kunst. Die Herbststipendiatinnen der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis, Ingrid Koenig und Barabara Lounder, leben in Kanada an der West- beziehungsweise Ostküste und dadurch meilenweit voneinander entfernt. Beide besitzen deutsche Wurzeln und haben sich 1982 während ihres Kunststudiums in Halifax kennengelernt. Ihren Aufenthalt auf dem Dilsberg betrachten sie als Chance zusammenzukommen und nebeneinander zu arbeiten.
  
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Im Café Pippifax traf sich Gisela Hoffmann von der Geschäftsstelle der Kreiskulturstiftung mit den Stipendiatinnen und hieß sie herzlich willkommen. In gemütlicher Atmosphäre berichteten die Künstlerinnen über ihre ersten Tage auf dem Dilsberg und ihre Arbeit. Ebenfalls mit von der Partie war die Fotografin des Rhein-Neckar-Kreises, Doro Burkhardt, die alle Stipendiaten mit der Kamera begleitet.
 
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Im Kommandantenhaus zu wohnen empfinden sie toll und inspirierend, gleichermaßen beruhigend wie aufwühlend. Jeder Stein habe seine Geschichte, wenn man auf den Turm steige und bedenke, wie viele Augen hier schon rausgeschaut haben, fühle man sich in einem Feld von Menschen und Sachen. Die Zeit zu haben intensiv reinzuschauen sei ein Geschenk des Lebens. Insbesondere die Landschaft mit ihren interessanten Neckarschleifen, der Sandstein und die Geschichte finden beide faszinierend.
 
Ingrid Koenig, deren Eltern 1955 nach Kanada auswanderten, zeichnet von der Physik inspiriert Kunst der Gegenwart. Bei TRIUMF, Kanadas Nationallabor für Teilchen- und Atomphysik, war nahm sie mit sieben weiteren Künstlern verschiedener Disziplinen an einem Großprojekt künstlerischer Transformation teil, die Verwandlung von Wissen in Kunst und zurück zur Wissenschaft. Physiker demonstrierten ihre Arbeit mit Neutronen, erörterten Fragen und Probleme, zu denen vier Künstler Lektüren und Bilder wie im Theater ausarbeiteten. Wie eine stille Post wanderte die künstlerische Umsetzung mit der dunklen Materie, die wir nicht sehen und greifen können, zu den nächsten vier Künstlern. Die Bildkünstlerin erhielt die Arbeit eines Klangkünstlers und hatte drei Wochen Zeit diese zu respondieren. In einem Workshop mit Physikern und Künstlern wurde das faszinierende Ergebnis besprochen und geplant ein internationales Projekt zu starten.  
 
Während ihres Aufenthaltes auf dem Dilsberg, sei sie offen für den Ort mit seiner Geschichte, Landschaft und wie die Natur zu ihr rüberkomme. Ihr Interesse gilt der Physik, dem Bestand von Raum und Zeit, wie man das abstrakte Beispiel von Zeitraum in der Kunst versteht.
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Momentan ist sie von der Wendeltreppe infiziert und hält in ihren Zeichnungen auf Papier fest, wie sie die Kraft von Materialien erlebt und die Erfahrung vom hoch- und runterlaufen. „Jetzt muss ich rausschauen in die Landschaft, um ein 360 Grad-Bild zu erhalten.“, formuliert sie ihre Ziele, denn ihre Sammlung soll eine Beziehung haben oder wie man in der Physik sagt, keine Objekte sein sondern Verbindungen.
 
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Barbara Lounders wurde in Hemer bei Iserlohn geboren und lebt in Dartmouth, Nova Scotia. Künstlerisch beschäftigt sie sich gefundenen Objekten, Zeichnungen und Fotografien in skulpturalen Installationen und Tableaus. Dabei lässt sie eigene Erfahrungen einfließen, befasst sich mit Volkskultur und politischer Geschichte. Aktuelle Projekte konzentrieren sich auf das Walken als kreative Methode, mit Beteiligung der Öffentlichkeit. In Duisburg entstanden am Innenhafen differenzierte Aspekte unter Assoziation von Leuten und Geschichte mit Blick auf die Stadt. Walken betrachtet sie als Kommunikation, ein kollektives Bewusstsein inspiriert durch das Tempo: „Bei 6 km/h werden Gehirn und Gedanken stimuliert.“
  
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Sie selbst wandert hier mit Landkarte und Apps auf ihrem Smartphone ausgestattet, unter anderem auf dem Philosophenweg runter zum Institut für Physik oder aufwärts zur Thingstätte und verknüpft verschiedene Aspekte. Für ihre Installationen geht sie via Satellitenbilder weit raus, um genau reinzuschauen und visualisiert Landkarten. Für ihre Touren kaufte sie extra fluoreszierende Sportschuhe in knalligem Rot/orange, mit denen sie wie beim GPS Punkte setzt und ihre Schritte festhält. Die Schuhe sind ein Signal, jeder der sie damit sieht weiß, da läuft Barbara. Sie würde sich über Kontakt zur Bevölkerung sehr freuen, besonders wenn sie Leute zum Wandern einladen.
 
Stipendiaten17 Das kleine Atelier im Kommandantenhaus teilen sich die Künstlerinnen miteinander und trotzdem schwärmen sie, ist ein ganz sensibles Arbeiten möglich. Während die eine arbeitet geht die andere raus in die Natur und kommen danach wieder zusammen. Man spürt, dass hier zwei arbeiten und wohnen die sich verstehen oder wie es Ingrid Koenig beschreibt: „Unsere Arbeit sucht Verhältnisse zwischen Sachen und uns selbst.“ Das künstlerische Ergebnis ihres Aufenthaltes werden sie in einer Ausstellung am 22. November 2013 im Kommandantenhaus präsentieren. Stipendiaten16
 
Text: boe
Bilder: bz
29.09.2013
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