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Abend-Exkursion zu den Fledermäusen
Spannendes und informatives BUND-Ferienprogramm auf der Feste Dilsberg
31. Juli 2013
 
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Zu einer Erkundungstour zum Thema Fledermaus lud die BUND-Gruppe im Rahmen des Ferienprogramms auf die Feste Dilsberg ein. Kindergruppen-Leiterin Luzy Bickel begrüßte 14 Kinder, 13 Erwachsene und mit Brigitte Heinz eine Fledermaus-Expertin. „Ich hoffe, sie haben an leise Kleidung gedacht, damit wir die Fledermäuse nicht erschrecken.“

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Fledermäuse haben kaum natürliche Feinde, leiden aber unter intensiver Land- und Forstwirtschaft sowie der Vernichtung natürlicher Lebensräume durch den Mensch. Dipl. Biologin Heinz arbeitet in der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Karlsruhe, ist beim BUND als Regionalbetreuerin für die Quartierskontrolle zuständig und Ansprechpartnerin bei Problemen. „Wer eine Fledermaus findet, landet bei mir!“ Daneben erstellt sie Gutachten und ist in der biologischen Baubegleitung tätig.
 
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Am Parkplatz auf der Tuchbleiche startete die Exkursion mit detaillierten Informationen rund um die Fledermaus, dem zweitgrößten Säugetier, das vor allem in den Tropen und Subtropen beheimatet ist. Unter den Teilnehmern gab es einige Kenner, die bereits einiges wussten und aufmerksam zu hörten. Sie erfuhren, dass die kleinste Art gerade mal 3 cm misst, wogegen große Flughunde mit einer Spannweite von 2,5 Meter „fliegende Dackel“ sind. Bei den tropischen Arten findet man Früchtefresser aber auch Blütenbestäuber, die ihre Nase in den Pollen stecken und damit zur nächsten Blüte fliegen. In Südamerika gibt es drei Arten von Vampir-Fledermäusen, die in die Haut von Kühen oder Pferden ritzen, am Blut lecken und zum nächsten weiterfliegen. In Deutschland unterscheidet man zwei Gruppen, die Hufeisennasen und die Blattnasen und 25 verschiedene Arten.
 
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Gespannt schweiften die Blicke immer wieder nach oben, damit man ja den entscheidenden Moment, wenn eine Fledermaus vorbeifliegt nicht verpasst. Die hier vorkommende Zwergfledermaus ist nämlich nur so groß wie ein Daumen und mit einem Gewicht von ca. 5 Gramm ganz filigran, das Mausohr weist dagegen eine Kopf-Rumpf-Länge von 6,9 - 7,9 Zentimeter auf und wiegt immerhin 30 Gramm.
 
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Auf einer Skizze sahen sie den Körperbau der Tiere, den langen Schwanz und die stark verlängerte Fingerknochen, wo oben ein Haken zu sehen ist, der Daumen. Die Flughaut umspannt die Finger- und Schwanzspitzen und besteht aus einem weichen, dünnen aber strapazierfähigem, reich durchblutetem Gewebe, das bei kleineren Löchern schnell wieder zusammenwächst.
  
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Im Winter halten sie Winterschlaf, senken alle Körperfunktionen herunter und suchen sich dafür Plätze die feucht sind und um die Null Grad haben, so wie den Dilsberger Brunnenstollen. Sie hängen sich in Felsspalten und reduzieren Atmung und Herzschlag. Mit einem Körpergewicht von 6,5 Gramm müssen sie 5 Monate lang auskommen. Im Brunnenstollen gibt es sechs verschiedene Arten, die absolute Ruhe benötigen. Werden sie gestört, beginnt ein Muskelzittern, sie wärmen sich auf und versuchen davonzufliegen, was hohe Energie verbraucht.
 
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Anfang Mai bis Juni bringen sie ihre Jungen zur Welt, dabei hängen die Weibchen wie eine Hängematte an der Decke und die Jungen flutschen in die Schwanzflughaut. Der Nachwuchs wird gesäugt und zum Wärmen von der Mutter mit ihrer Flughaut umhüllt. Ende Juli Anfang August werden die Jungen flügge. Während die Weibchen in Kolonien aus der Region zusammenkommen, hängen die Männchen nur rum. „Das ganze Männergeschäft reduziert sich auf den Herbst.“ Da beginnt die Balzzeit und danach wird sich der Ranzen vollgefressen, bevor es ins Winterquartier geht.
  
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Zur Orientierung schreien Fledermäuse auf ihren Flügen und nehmen das Echo wieder auf. Extrem hohe Töne im Ultraschallbereich, die ein Fledermausdetektor in menschlich hörbare Töne umsetzt, indem er sie tiefer macht. Mit diesem Hilfsmittel kann man die Tiere orten und das weckte das lebhafte Interesse der Kinder, die immer noch vergebens nach einem lebenden Exemplar Ausschau hielten.
 
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Bechsteinfledermaus Braunes Langohr mit Jungtieren Zwergfledermaus
Während eine Langohr Fledermaus leise durchs Unterholz fliegt und nach Insekten sucht, schreit ein Abendsegler wie ein Presslufthammer. Kommunizieren Fledermäuse, dann hört man ein großes Gezirpe und Geschnatter. Die kleinen Tiere besitzen eine gute Orientierung. Sie sind farbenblind und können nur schwarz/weiß unterscheiden. Dachstuhlfledermäuse hätten es heute durch Ausbau und Isolierung schwer geeignete Platze zu finden, deshalb bevorzugen sie Holzverschalungen oder Rollladenkästen. Waldfledermäuse nutzen Baumhöhlen, wo Spechte die Vorarbeit leisten. Deshalb sei es wichtig alte Bäume zu erhalten, denn nur da gehe der Specht rein.
 
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Auf dem Weg zum Burggarten flog eine Zwergfledermaus an der Gruppe vorbei, jedoch so schnell, dass sie nur der Detektor orten konnte. Doch vergebens wartete die Gruppe auf weitere Exemplare und zog weiter zur Burg. Fledermäuse ernähren sich von Motten, Eichenwickler und Frostspanner und fressen ein Drittel ihres Körpergewichts pro Nacht. Ein erwachsener, 1,90 Meter großer Mann müsste umgerechnet 74 Teller Spaghetti essen, um das zu schaffen. Das Ganze wird schnell verdaut, eine halbe Stunde später landet der Kot mit unverdaulichen Überresten unzähliger Insekten auf dem Boden, ein ausgezeichneter Gartendünger.
 
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An der Burg wurde die Ausdauer der Teilnehmer endlich belohnt, eine Fledermaus kreiste auf ihrem Beutezug durch die Nacht. „Da, hast du sie gesehen?“ Alle blickten gespannt in Richtung Burginnenhof, wo sie ihre Beute jagte. Hier war es schön warm und es tummelten sich viele Insekten, ein Festessen. Fledermäuse kennen die Dilsberger Burg und können hier auch ohne Echoortung fliegen. Das ist wichtig wenn sie zum Beispiel einen Nachtfalter im Maul haben und nicht mehr rufen können. Begeistert verfolgten die Teilnehmer den Beutezug und entdeckten ein zweites Tier das um den Treppenturm kreiste.
 
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Der Dilsberg ist normalerweise eine gute Adresse um Fledermäuse zu sehen, zumal das Wetter gut und viele Insekten unterwegs waren. Doch in diesem Jahr gibt es deutlich weniger Exemplare. Der Winter war lang, kalt und nass, deshalb sind manche Weibchen nicht trächtig geworden oder später dran, denn die bekannten Kolonien sind leer. „Vielleicht hängen sie ja woanders.“, hofft die Biologin und würde sich über Informationen aus der Bevölkerung freuen. In der Rainbach gibt es ein kleines Quartier mit etwa 20 Exemplaren, die am Neckar jagen. Schlechtes Wetter ist der natürliche Feind von Jungtieren, umso wichtiger ihr Schutz. Deshalb ist es das Hauptanliegen von Brigitte Heinz, den Leuten die Angst vor den Tieren zu nehmen. „Das Leben eines Biologen ist nicht einfach.“, verriet sie den Kindern, man muss Geduld haben, viel laufen und beobachten. Interessant und spannend war die Exkursion auf jeden Fall und wer weiß, vielleicht hängt jetzt der eine oder andere einen Nistkasten auf, um den Nachtjägern ein neues Quartier anzubieten.
 
Text: boe
Bilder Fledermäuse: Brigitte Heinz
Bilder Exkursion: bz
01.08.2013
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