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Schädelfund nahe Neckargemünd-Dilsbergerhof
von Freitag, 19. Oktober 2012:
Hinweise auf Herkunft des Schädels

 
Kein aktuelles Tötungsdelikt im hiesigen Raum; Verdacht eines nationalsozialistischen Gewaltverbrechens; Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Heidelberg und der Polizeidirektion Heidelberg
 
Die Herkunft des menschlichen Schädels, den eine Pilzsammlerin am Freitag, den 19. Oktober 2012 im „Adlerskirschenwald“, einem Waldstück zwischen Neckargemünd-Dilsbergerhof und Wiesenbach-Langenzell gefunden hatte, dürfte geklärt sein.
 
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Fundes hatte sich ein Rechtsanwalt bei den Ermittlern gemeldet und mitgeteilt, dass sich ihm ein Mandant offenbart habe, der den Schädel rund fünf Jahre zuvor an der Fundstelle vergraben haben will.

Nach den Angaben des Hinweisgebers, der aus Furcht vor straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen anonym bleiben will, soll eine nahe Angehörige 1980 den Schädel auf einem gepflügten Ackergelände in der Nähe von Rudolstadt, ehemals DDR, am Rande eines sogenannten „Gedächtnisweges“ gefunden und an sich genommen haben. Der Hinweisgeber will den Schädel Jahre danach entgegengenommen und verwahrt haben, ehe er ihn im Wald vergrub.
 
Aufgrund des derzeitigen Ermittlungsstandes stufen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei die Angaben des anonymen Hinweisgebers als glaubhaft ein: Beim Abgleich der übermittelten Geodaten der Stelle, an der der Schädel vergraben worden sein soll, mit den tatsächlichen Daten der Fundstelle wurde Übereinstimmung festgestellt.
 

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Nach Informationen der Gedenkstätte „Buchenwald“ in Weimar wurden kurz vor Ende des 2. Weltkrieges auf diesen „Gedächtniswegen“ Gefangene des Konzentrationslagers Buchenwald oder eines seiner Außenstellen von der SS auf sogenannte „Todesmärsche“ geschickt. Viele der 28000 Häftlinge wurden auf den Routen zum Teil wegen Entkräftung erschossen. 
 
Umfangreiche Untersuchungen des Schädels beim Rechtsmedizinischen Institut der Universität Heidelberg, der Universität Göttingen, des kriminaltechnischen Instituts des Landeskriminalamts Stuttgart und des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie in Mannheim ergaben zudem, dass es sich um den Schädel einer 20-30 Jahre alten Frau handelt, die höchstwahrscheinlich vor 1948 gestorben sein dürfte. Forensisch lassen sich allerdings keine Hinweise zur Todesursache feststellen. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte die Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein. Der Schädel wies kreisförmige Defekte auf, die durch Schüsse verursacht worden sein könnten. 
 
Darüber hinaus ließen die Untersuchungsergebnisse keine Bezüge zu einem aktuellen Tötungsdelikt oder zu einer vermissten Person herstellen.
 
Nach Sachlage dürfte die unbekannte Tote, deren sterbliche Überreste in einem Waldstück nahe Neckargemünd-Dilsbergerhof gefunden wurden, in den letzten Kriegstagen einem nationalsozialistischen Verbrechen zum Opfer gefallen sein.
 
Der Schädel soll nach Rücksprache mit der Gedenkstätte „Buchenwald“ nach Weimar überführt werden, um dort pietätvoll bestattet zu werden.
 

Polizeidirektion Heidelberg; Neckargemünd/Rudolstadt Freitag, 14. Juni 2013, 12 Uhr
Originalbilder vom Fundort: privat

Bericht Rhein-Neckar-Zeitung
am 15.06.2013
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