Jakobskreuzkraut, sieht schön aus ist aber hochgiftig

 
Rasante Verbreitung birgt insbesondere für Pferde Gefahr

19.08.2012
 
Friedlich weiden im Dilsbergerhof zahlreiche Pferde auf ihren Koppeln und genießen das satte Grün. Damit das so bleibt herrscht bei Pferdehaltern und Weidebesitzern besondere Vorsicht, denn das schöne aber hochgiftige Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) verbreitet sich auch hier zunehmend. Die Pflanze, die auch für Menschen gefährlich ist, führt bei Pferden und Rindern zu chronischen Lebervergiftungen. Frühzeitig warnte das Landwirtschaftsamt und Naturschutz im Rhein-Neckar-Kreis und wies auf geeignete Maßnahmen hin.
 
Von der Reitervereinigung REITENBERG bestätigte Claudia Risse, die als Sportassistentin den Reiternachwuchs begleitet, eine Ausbreitung der Pflanze. Auf diesem Gebiet gilt die zweite Vorsitzende des Vereins, Simone Steffens, inzwischen als „Spezialistin“. Regelmäßig schreitet sie die Weidewiesen ab, reist oder sticht die Pflanzen heraus. „Seit ungefähr vier Jahren nimmt die Verbreitung stark zu. Im letzten Jahr war es ein Sack voll, in diesem Jahr bereits fünf.“ Entsprechend einer Schweizer Untersuchung, die als Vorreiter Maßnahmen zur Bekämpfung starteten, verbrennt sie die Pflanzen.
 
Erste Blüten der Körbchenblüher findet man ab Juni und Hauptblütezeit ist von Juli bis August. Die rund 15 bis 20 mm breiten und goldgelben Einzelblüten sind von 13 gelben Zungenblütenblättern umgeben, haben einen rot angefärbten Stängel und werden etwa einen Meter hoch. Das Jakobskreuzkraut (JKK) ist nicht neu, jedoch das zum Teil extrem starke Auftreten. Die Verbreitung erfolgt über Samen, bis zu 150.000 pro Pflanze, die wie beim Löwenzahn der Wind weitertreibt. Da alle Pflanzenteile giftig sind, empfiehlt sich bei der Beseitigung Handschuhe zu tragen. Für die Tiere wird die Pflanze extrem gefährlich, wenn sie in Heu und Silage konserviert wird, da sie nach dem Mähen ihren typischen Duft, Farbe und Geschmack verliert und nicht mehr als giftig erkannt werden.
 

Ein Dilsberger Landwirt, der jährlich 200 Großballen Heu macht, nannte verschiedene Faktoren für die starke Zunahme. Zum Einen stillgelegte Felder, die lange Zeit nicht vor dem 15. Juli nicht gemäht werden durften. Das machte für den Vogelschutz Sinn, für das JKK war es jedoch zu spät, da der Samenflug dann bereits in Gange ist. Deshalb wurde der Termin auf den 1. Juli vorverlegt, doch nicht jeder Landwirt ist sich dieser Gefahr bewusst und mäht später, zu spät. Rund hundert Meter weit trägt der Wind die Samen, die sich vorwiegend bei Trittschäden (unbewachsener Boden) und selektiver Unterbeweidung ansiedeln und rasant verbreiten. Des Weiteren habe man Böschungen mit Saatgut begrünt, in dem sich auch JKK-Samen befand. Zudem werden die Straßenränder seltener gemäht. Fachleute warnen: „Eine weitere Ausbreitung muss unbedingt verhindert werden.“ Dazu müssen Flächen mit JKK-Bewuchs kurz vor oder während der Blüte gemäht oder gemulcht werden. Zu diesem Zeitpunkt ist noch kein Samen ausgefallen und vom Wind verbreitet, dadurch wird die Mutterpflanze geschwächt, so dass sie im Folgejahr meist nicht mehr austreibt. Die Pflanze muss verbrannt oder über den Hausmüll entsorgt werden, da ihre Giftwirkung auch im getrockneten Zustand erhalten bleibt gehört sie nicht auf den Kompost, wo sie über die Notreife aussamen kann.
 

Für eine unbedenkliche Heuernte war der Landwirt zwei Tage lang nur unterwegs um JKK-Pflanzen herauszureißen, was sich neben einem vermehrten Zeitaufwand auch physisch äußerte: „Ich war echt platt!“ Als Alternative sieht er für das nächste Jahr nur den Einsatz von Spritzmittel, was jedoch nur punktuell eingesetzt werden darf. „Dieses Problem bedeutet zusätzliche Arbeit und ist durch die vielen Brachstücke schwierig in den Griff zu bekommen.“
 

Bilder: bz
Text: boe
19.08.2012