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Keine Nacht ist mit so vielen Bräuchen verknüpft wie die an Silvester. Jede Region pflegt individuelle Rituale, um sich einen guten Start ins Neue Jahr zu wünschen. Auf dem Dilsberg ist es der traditionelle Nachtwächterumzug.
 
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Den ganzen Tag über regnete es mehr oder weniger stark aber konstant, doch kurz vor Mitternacht hatte selbst der Himmel ein Einsehen, stellte die Berieselung ein und das Leben in der historischen Bergfeste erwachte. Aus allen Richtungen trafen gut gelaunte Menschen ein und warteten am Torturm voller Spannung auf die Männer mit ihren Laternen und glänzenden Hellebarden.
 
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Obernachtwächter Erwin Lanzer versammelte seine Mannen im Rathaus, stimmte sie auf ihre wichtige Aufgabe ein und wünschte einen guten Verlauf. „Männer, passt wie immer auf die Hellebarden auf, es darf nichts passieren!“ Seit 35 Jahren absolvieren die Nachtwächter zu Silvester ihren Rundgang und erfreuen die Bürger mit ihrem Brauch. Ein Grund für Dorfwaibel Gerhard Horchheimer zum ersten Mal ein besonders großes Horn mitzunehmen.
 
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Gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern verbindet Einheimische wie Gäste, die gemeinsam voller Zuversicht das Neue Jahr beginnen. Als die letzten Minuten des alten Jahres anbrachen, wurden die ersten Laternen der größten Nachtwächtergruppe Europas gesichtet. Wacker bahnten sich die Männer ihren Weg durch die Menschenmenge und positionierten sich im Halbrund um ihren Dorfwaibel, den „praetor vigilantum“.
 
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Punkt Glockenschlag blies dieser kräftig zwölf Mal in das Nachtwächterhorn. Kaum war der letzte Ton verklungen, da stimmte er mit seinen Kollegen das altbekannte Lied an: „Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen: Unsre Glock' hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“
 
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Vor Bewegung glitzerte es in manch einem Auge verdächtig, als der Musikverein Trachtenkapelle Dilsberg das Lied „Großer Gott wir loben dich“ spielte, das viele Besucher spontan mitsangen. 
 
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Nachtwächter und Musiker wünschten ein gutes Neues Jahr und ihre Glückwünsche wurden voller Herzlichkeit erwidert. Mit einem Gläschen Sekt stieß man hier und dort auf ein gutes Gelingen an. Aus der Ferne waren die gezündeten Böller und die abgeschossenen Raketen zu vernehmen, mit denen die bösen Geister vertrieben werden sollten, die den Horizont in bunter Farbenvielfalt erleuchteten.
 
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Glitzernde Wunderkerzen, die Nachtwächter in ihren historischen Gewändern sowie die malerische Kulisse der Bergfeste bezauberten auch bei diesem Jahreswechsel die Besucher, die sich vom widrigen Wetter nicht abhalten ließen. Als die Nachtwächterkerze durch den föhnartigen Luftzug zum wiederholten Mal erlosch, blitzte der berühmte Nachtwächterschalk auf: „Jetzt weiß ich was Energiesparlampen sind.“
 
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Gemeinsam begleitete man die Nachwächter auf ihrem anschließenden Rundgang durch die Bergfeste, wo sich das Ritual an verschiedenen Stationen wiederholte. Immer wieder mussten sie stehen bleiben und Hände schütteln, was bekanntlich Glück bringen soll - zwölf Nachtwächter Händepaare für zwölf glückliche Monate.
 
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Am letzten Halt beim Dorfbrunnen hieß Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann die Teilnehmer willkommen. „Alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg!“ wünschte er und dankte allen Beteiligten. Zur rechten Zeit, exakt für die Dauer des Umzugs, sorgte Petrus für eine regenfreie Phase, wenn das kein gutes Omen für 2012 ist!
 
Bilder: bz
Text: boe
01.01.2012