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Schüler aus Evian erkunden ihre Partnerstadt
  
Dilsberger Nachtwächter führten durch die historische Bergfeste
4. Dezember 2012
 
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„Hier würde ich am liebsten wohnen!“, stellte ein Junge aus Evian-les-Bains beeindruckt fest. Er ist einer von 49 Grundschülern die mit sieben Betreuern ihre Partnerstadt Neckargemünd erkunden und in der Dilsberger Jugendherberge Quartier bezogen haben. Seit etwa 20 Jahren finden diese Besuche in der Vorweihnachtszeit wegen der besonderen Atmosphäre statt. Den Aufenthalt organisierte der „Förderverein Städtepartnerschaft Neckargemünd - Evian“ mit interessanten Führungen und einem abwechslungsreichen Programm.
 
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Mittelalterlich gewandet hieß Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann am ersten Abend die Gruppe herzlich willkommen. Ebenso wie die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Petra Kohl, die bei diversen Aktivitäten als Dolmetscherin fungierte. An diesem Abend machte sie die Zehnjährigen mit spannenden Sagen und Legenden der Gemeinde vertraut. In der französischen Partnerstadt gibt es mehrere Grundschulen, die sich alle zwei Jahre mit ihren Besuchen abwechseln, dieses Mal waren die beiden staatlichen Schulen "Les Hauts d'Evian" und "Ecole de la Détanche" an der Reihe und zum ersten Mal aus der Integrationsklasse auch behinderte Schüler mit dabei. Bereits seit zehn Jahren ist Yves Arnulf als Betreuer von der Partie und begrüßte voller Herzlichkeit seine deutschen Freunde.
 
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Eine gewisse Spannung verbreitete sich am Dienstag beim Abendessen, denn ein besonderes Erlebnis wartete auf die Kinder, eine Führung mit den Dilsberger Nachtwächtern. Im Kerzenschein ihrer Laternen funkelten die Hellebarden als Obernachtwächter Erwin Lanzer die große Gruppe begrüßte. Altersgerecht servierte Frans Hermans die wechselhafte Geschichte der Gemeinde und erklärte die wichtigen Aufgaben der Nachtwächter in früheren Zeiten.
 
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Gespannt lauschten die jungen Gäste und stellten wissbegierig Fragen. „Wer hat die Nachtwächter bezahlt? Ist die Hellebarde eine Waffe?“ Besonders interessierte sie die Ritterszeit und das raue, beschwerliche Leben durch die Wasserknappheit.
 
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Die Nachtwächter führten durch die stimmungsvolle, winterliche Bergfeste. Immer wenn das Horn ertönte wurde Station gemacht und Wissenswertes bekannt gegeben. Vom Tor aus, früher der einzige Zugang, führte der Rundgang durch die zwei Straßen, wo man die Häuser noch auf die Stadtmauer baute. Nachtwächter Frans erklärte die Form der Hellebarde, die aus einer Lanze entstand und mit der man Holz und Feuer auseinanderzog.
 
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Da die Leute damals keine Uhren besaßen, verkündeten die Nachtwächter was die Glock´ geschlagen hatte und das taten sie mit ihrem traditionellen Lied auch an diesem Abend. Ein kalter Wind pfiff durch die Gassen, doch davon ließen sich die Gäste nicht abschrecken. Sie wandelten auf den Spuren der Vergangenheit und betrachteten die Kirchen, Wasserturm und Brunnen, Burg und Kommandantenhaus und zu allem wusste der Nachtwächter etwas Interessantes zu berichten.
 
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Zum Abschluss erzählte er eine wahre Geschichte über die Hochzeit von Mechthild, der Dilsberger Grafentochter von Boppo II., mit Friedrich I. von Limpurg. Aus der Ehe gingen Kinder hervor und Boppo ist der 22. Ururgroßvater von Prinz Charles of Wales. Eine spannende Sache, doch inzwischen war es höchste Zeit für den Heimweg. Vor der Jugendherberge sangen die Nachtwächter noch einmal ihr Lied. „Merci!“, dankten die aufmerksamen Gäste und verabschiedeten sich.
 
Am nächsten Tag stand eine Führung durch Neckargemünd auf dem Programm und sofern das Wetter mitspielt folgt am letzten Tag mit dem Besuch der Dilsberger Burgruine noch ein mit besonderer Spannung erwarteter Höhepunkt.
 
Bilder: bz
Text: boe
05.12.12