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Wut und Frust in Dilsbergerhof halten an
Zweite Einwohnerversammlung zur Friedhofsfrage
25.06.2019
  
Zur leidigen Frage, wie zukünftig der besondere Friedhof in Dilsbergerhof weiterbetrieben werden soll (siehe Bericht vom 15. März 2019) fand am 25. Juni eine weitere Einwohnerversammlung statt. Hierzu eingeladen hatte diesmal der Stiftungsrat der katholischen Seelsorgeeinheit Neckar-Elsenz, von dem auch sieben der zehn Mitglieder anwesend waren. Der Stiftungsrat ist das für die Vermögensverwaltung der Seelsorgeeinheit zuständige Organ. Er wurde unterstützt durch den Geschäftsführer der Verwaltungsstelle für die katholischen Kirchengemeinden der Region in Obrigheim, Herrn Muth.
  

Pfarrer Endisch, der Vorsitzende des Stiftungsrates begrüßte alle Einwohner. Er gab gleich bekannt, dass der Stiftungsrat seine Beschlüsse zu diesem Friedhof erneuert habe: Dieser soll zukünftig ausschließlich vom Stiftungsrat verwaltet werden. Der von der katholischen Kirchengemeinde Dilsberg ursprünglich mit begründete Friedhofskommission, die seit siebzig Jahren diesen Friedhof verwaltet und betreibt, bleibt die Zuständigkeit entzogen. Die Gebühren für den Friedhof sollen an diejenigen des städtischen Friedhofes angepasst werden (= Preissteigerung um weit mehr als 100 Prozent).  Der Stiftungsrat, so Endisch sieht sich aufgrund neuer Gesetzeslagen zu diesen Änderungen veranlasst. Welche Gesetze dies erforderten, nannte er nicht.  
  
Geschäftsführer Muth von der Verrechnungsstelle erklärte:
Der Friedhof soll erhalten bleiben. Allerdings müssten die von der Erzdiözese vorgegebene Rahmenbedingungen eingehalten werden, was auch bedeute, dass ausschließlich die Kirchengemeinde die Verantwortung für den Friedhof habe. Muth betonte aber gleichzeitig, dass dieser Friedhof nicht den Haushalt der Kirchengemeinde belasten dürfe.
Eine seiner weiteren Aussagen führte dann zur Empörung unter der Einwohnerschaft: Muth behauptete, durch die Übernahme der Verantwortung für den Friedhof, sei der Kirchengemeinde  eine Schuld von 3500 Euro entstanden. Tatsächlich hat aber die Friedhofskommission im Dezember letzten Jahres eine von ihr bis dahin verwaltete Summe von mehr als  2000 Euro an die Kirchenverwaltung überwiesen. Auf die Rückfrage an Herrn Muth, wie er zu seiner Aussage komme, gab er zu, dass er die Kosten für den geplanten Weg schon mit eingerechnet habe. Und das, obwohl solche Kosten nicht einfach dem Entstehungsjahr zugeschrieben, sondern über mehrere Jahre abgeschrieben werden müssen.
Dann schlug er als Möglichkeit zur Grabgebühren-Kostenentlastung der Bürger des Dilsbergerhofes ein Modell vor, das kaum jemand ernst nehmen konnte: Der interessierte Bürger könne eine Arbeitsleistung für den Friedhof einbringen, die von der Kirchengemeinde vergütet werde. So könnte dieser, wenn er das Geld zurücklege, seine zu erwartenden Grabgebühren reduzieren.
  
Der Vorsitzende der Friedhofskommission, Georg Ruhland wies darauf hin, dass er mit einem Mitarbeiter der Kirchenverwaltung schon ein Modell für eine weitere Selbstverwaltung angedacht habe, das die bisherige Struktur ermöglichte und den kircheninterne Verwaltungsvorschriften entspräche.
   
Dazu Muth: Der Friedhof sei Kirchenvermögen und über Kirchenvermögen könne nur der Stiftungsrat entscheiden. Er bot aber konkret an, eine Kommission aus drei Stiftungsratsmitgliedern und zwei Bürger/innen des Dilsbergerhofes zu bilden. Damit wird allerdings eine Gremienbeteiligung angeboten, die nicht mehr als eine Pseudobeteiligung darstellt: Die Vertreter des Dilsbergerhofes in dieser Kommission könnten jederzeit überstimmt werden.  
  
Nachdem die stellvertretende Vorsitzende der bisherigen Friedhofskommission, Brigitte Maurer erneut die Höhe der willkürlich festgelegten und nicht auf einer Kalkulation beruhenden neuen Gebühren ansprach, gab es auch hier von Seiten der Kirchenverwaltung ein minimalstes Zugeständnis: Wenn der vorgeschlagene Ausschuss (s.o.) installiert würde, könne dieser ja noch zu den Gebühren neue Vorschläge machen.  
   
Ein Bürger wies Verwaltungsleiter Muth darauf hin, dass es bei der Frage, wer für diesen Friedhof verantwortlich zeichnet, nicht um eine reine Verwaltungsfragen ginge sondern darum, wie mit ehrenamtlich engagierten Bürgern umgegangen werde. Unter Applaus führte er aus: Das, was hier von der Kirchenverwaltung vorgesehen sei, würde man üblicherweise als Betrug bezeichnen. Über Jahrzehnte nahm die von der Dilsberger Kirchengemeinde gegründeten Friedhofskommission Arbeitsleistung und Geld der Bürger entgegen mit der Zusage, dass es dafür günstigere Grabgebühren gäbe. Nun nähme die Kirchenverwaltung Arbeitsleistung und Geld, widerrufe aber die ursprüngliche Zusage der Vergünstigung.  
   
Auf diese Einlassung wusste Muth nur noch mit der Bemerkung zu reagieren, dass die Voraussetzungen bisher andere gewesen wären und man aus ehrenamtlicher Tätigkeit keine Ansprüche ableiten könne.  
 
Ein Stiftungsratsmitglied versuchte die Emotionen aus dem Gespräch zu reduzieren, indem er konstruktiv feststellte: „Die Frage ist, können wir mit ihnen zusammen den Friedhof kostenneutral betreiben“. Ein weiteres Mitglied ergänzte ebenso positiv: „Wir haben zugehört und werden noch eine Lösung finden“.  
  
Auf eine entsprechende Rückfrage wurde dann noch vom Stiftungsratsvorsitzenden versichert, dass es für die Stifterfamilie Maurer eine besondere Regelung geben wird. Das werde man auch schriftlich bestätigen.   
  
Der darauffolgende Einwand einer Bürgerin blieb allerdings wieder ohne Kommentar: Sie merkte an, dass von dieser Regelung diejenigen, die Jahrzehnte lang neben Herrn Rudolf Maurer die Hauptarbeit im Friedhof geleistet hätten - z.B. Kurt Heger und Ludwig Greulich - nichts hätten.  
  
Keine Reaktion gab es auch zur schon drohenden Feststellung eines Bürgers: Wenn die Kirchenverwaltung in der Sache keinen Konsens mit den Bewohnern des Dilsberghofes finde, bestehe die Gefahr, dass niemand mehr auf diesem speziellen Friedhof beerdigt werden wolle. Dann hätte die katholische Kirche keinerlei Einnahmen von diesem Friedhof, aber die nächsten dreißig Jahre Kosten!  
   
Zufrieden war mit diesem Gespräch wohl kaum einer der Beteiligten, weder die Vertreter der Seelsorgeeinheit, noch die Bürgerinnen und Bürger des Dilsbergerhofes. Aber ein Funken Hoffnung glimmt, dass doch noch Einsicht beim Stiftungsrat einkehrt und eine Lösung unter echter Beteiligung der Bevölkerung des Dilsbergerhofes gefunden werden kann. Die  schwierigste Hürde hierbei wird sein, die Kirchenverwaltung von einem demokratischen Konzept zu überzeugen. Vielleicht – so eine Gesprächsteilnehmerin - könnte ja ein Schreiben an den Erzbischof noch eine unterstützende Wirkung erzielen.
  

Text: Walter Berroth
01.07.2019