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Totengedenken mit Mahnung
Volkstrauertag
18. November 2018
    
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Es waren wieder einmal die älteren Mitbürger, die zum Gedenken an die Kriegsopfer zum Ehrenmal in die Feste Dilsberg gekommen waren. Dass dieses Gedenken aber nicht nur eine Generationenfrage sein kann, wurde dadurch verdeutlicht, dass das traditionelle Totengedenken diesmal nicht vom Ortsvorsteher sondern von einem Jugendlichen aus Dilsberg gesprochen wurde.
 
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Ortsvorsteher Hoffmann erinnerte in seiner Ansprache daran, dass sich in diesem Jahr das Ende des 1. Weltkrieges zum hundertsten Male jährte. Er betonte, dass bereits beim ersten, 1922 durchgeführten Volkstrauertag im Reichstag der damalige Reichpräsident Löbe zur Abkehr von Hass und für Versöhnung und Verständigung aufgerufen habe. In Anbetracht dieser Tatsache sei auch heute noch die Frage zu stellen, wie es geschehen konnte, dass nach  einem Krieg mit 17 Millionen Toten sich in der Sowjetunion, in Italien, Spanien und Deutschland diktatorische Regime etablieren konnten. Unsere nun 70jährige Friedensperiode nach dem zweiten Weltkrieg, der längsten in der europäischen Geschichte, verpflichtet uns: Wir müssen uns ob dieser einmaligen Errungenschaft bewusst machen, dass hier und heute gegen den in Europa aufkommenden Chauvinismus mit nationalistisch-fremdenfeindlichen Parolen entgegengetreten werden muss. Angesichts der aktuell sattfindenden 222 kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt ist die Frage zu stellen, was geschehen ist, dass man die menschlichen Werte so weit in den Hintergrund gerückt hat und Rücksichtslosigkeit und Ignoranz gegenüber menschlichem Leben immer mehr überhand nimmt.
   
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Nachdem der gemeinsame Chor von Sängerbund und katholischer Kirche einen Choral angestimmt hatte, sprach Pastoralreferent Alfred Jordine im Auftrag der Kirchen zu den Teilnehmenden der Versammlung. Er verwies darauf, dass der Blick zurück auf die Kriege aber auch auf die vor achtzig Jahren stattgefundene Reichsprogromnacht uns auch zu einem Blick nach vorn zwingt: Er zitierte George Santayana, einen amerikanischen Philosophen spanischer Herkunft: „Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist verdammt sie zu wiederholen“. Die Anwesenden, die ein entsprechendes Blatt erhalten hatten, sprachen dann mit ihm zusammen, das Franz von Assisi zugeschriebene Friedensgebet, das mit der Bitte beginnt: „Herr mache mich zum Werkzeug deines Friedens“ und mit den Worten endet: „Denn wer gibt, der empfängt; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum Leben“.
 
Jordine lenkte den Blick auf das im Gebet häufig vorkommende Wort „mehr“ („Meister, lass mich trachten, dass ich mehr tröste, als ich getröstet werde…“)  und kam zum Ergebnis: „Dieses ‚Mehr‘ ist uns möglich, weil Gott uns alle ausnahmslos immer schon mehr liebt, als wir lieben!“ Seine Ansprache endete mit dem Aufruf: „Frieden kann möglich werden, wenn wir über unseren eigenen Schatten springen und das ‚Mehr‘ wagen… Aber unser Wagnis sollte nicht daran scheitern, dass wir aus unserer Geschichte nichts gelernt hätten, dass unsere Toten umsonst gestorben wären. Mit Gottes Hilfe können wir es immer wieder wagen, ein Werkzeug des Friedens zu sein.“
 
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Zum von Joachim Beller vorgetragenen Totengedenken senkten sich die Fahnen  von Kyffhäuserbund, Turnerbund und Schützenverein, während die Trachtenkapelle das Lied vom gefallenen Kameraden intonierte.
   
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Nach dem Dank des Ortsvorstehers an alle Beteiligten schloss der Chor mit dem Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich…“
 
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Text: Walter Berroth
Bilder: Rupert Dworschak
28.11.2018