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"Ein so großer Kasten passt hier nicht hin"
Bewohner protestieren gegen Neubaupläne für Feuerwehrhaus am Alten Hofweg.
Sie sehen Idylle gefährdet und fürchten mehr Verkehr.
18. September 2018
 
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Bilder vom Januar 2018
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Wer aufs Land zieht, der möchte ruhig und im Einklang mit der Natur leben. Deshalb haben sich auch Markus Boller, Sabine Rupp und viele ihrer Nachbarn für den Alten Hofweg im Neckargemünder Stadtteil Dilsberg entschieden, wo sie umgeben von Feldern, Wiesen und Pferdekoppeln wohnen. Doch diese Idylle hat in den vergangenen Jahren immer mehr Risse bekommen. Mit Lärmbelästigungen durch das Mini-Spielfeld leben die Nachbarn seit Jahren. Doch dass nun auch noch ein Feuerwehrhaus in ihrer direkten Nachbarschaft am Alten Hofweg in Höhe der Einmündung der Straße Blumenstrich in die parallel verkaufende Kreisstraße gebaut werden soll - das geht ihnen zu weit.
 
Markus Boller wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern seit 13 Jahren im Alten Hofweg. "Damals war hier noch weniger los", erzählt der 52-jährige Lehrer. Doch seit es das Mini-Spielfeld an der Grundschule gibt, ist es zumindest im Sommer vorbei mit der Ruhe. Bis spät in die Nacht kicken hier Fußballer. "Die kommen mit Autos aus der ganzen Region - das kann man an den Kennzeichen sehen", ergänzt Sabine Rupp, die seit 1997 hier lebt. Das Spielfeld dürfte streng genommen nur von der Schule genutzt werden, weil es auf einem Schulgelände gebaut wurde, meint die 48-jährige Angestellte in der örtlichen Arztpraxis. Dennoch sei es öffentlich zugänglich.
 
"Mit dem Lärm haben wir uns ja schon abgefunden", so Markus Boller. Die Pläne für das neue Feuerwehrhaus bringen die Anwohner jedoch auf die Palme. Lehrer Boller war deshalb bereits bei Bürgermeister Frank Volk - zufriedenstellende Antworten habe er aber nicht bekommen, wie er sagt: "Es gehen nach wie vor zig Gerüchte durchs Dorf und keiner weiß, was wirklich geplant ist." Man werde nicht auf dem Laufenden gehalten, sagt Boller stellvertretend für die Anwohner.
 
Diese treiben mehrere Sorgen um. "Ein Feuerwehrhaus an dieser Stelle am Rand eines Landschaftsschutzgebiets würde den wunderschönen Blick auf den Dilsberg mit seiner Burg verschandeln", meint Sabine Rupp. Sie steht mit dieser Ansicht längst nicht allein - zahlreiche Anwohner unterstützen den Protest. "Ein so großer Kasten passt hier nicht hin." Das Argument, dass dies die einzige geeignete Fläche in städtischem Besitz ist, können die Anwohner nicht nachvollziehen. "Der Aufwand ist riesig, weil auf der grünen Wiese gebaut werden soll", findet Markus Boller. "Als ich gehört habe, was das Vorhaben kosten soll, dachte ich, mir fliegt das Blech weg."
  
Ebenfalls treibt die Anwohner der zusätzliche Verkehr um. Wenn die Zufahrt über den schmalen Alten Hofweg erfolge, sorge dies für Gefahren. Dieser sei nämlich für viele Kinder der Weg zur Schule - die Straße grenzt sogar an den Schulhof.
Und Erwachsene gehen hier gerne spazieren. "Es ist ein Naherholungsgebiet für die ganze Siedlung", sagt Boller. Und Sabine Rupp ergänzt: "Im Sommer herrscht hier Hochbetrieb." Schon heute würde hier nicht langsam gefahren. "Es wurde sogar schon eine Katze totgefahren", erzählt Markus Boller und fragt: "Wie wird das erst, wenn Feuerwehrleute mit 70 Sachen zum Einsatz fahren?" Der Verkehr werde auf jeden Fall durch Übungen und die sonstige Nutzung des Feuerwehrhauses stark zunehmen. Deshalb unterstützen die Anwohner den Vorschlag einer Zufahrt über die nahe Kreisstraße, wenn das Feuerwehrhaus am nun ins Auge gefassten Standort gebaut wird. Am liebsten wäre ihnen aber ein anderer Standort.
  
Außerdem beschäftigt die Anwohner, dass sie bei einem Ausbau des Alten Hofwegs zur Kasse gebeten werden könnten - und das würde dann alle betreffen. Denn beim Bau der Straße seien kaum Anliegergebühren erhoben worden, berichtet Boller. Schon im vergangenen Jahr habe er deshalb bei der Stadt angefragt. Damals habe es geheißen, dass er in vier Wochen eine Antwort erhält. Boller: "Ich habe bis heute noch nichts gehört."
  
Überhaupt seien die Anwohner schlecht informiert, klagt Sabine Rupp: "Viele wissen noch gar nichts davon, dass hier ein Feuerwehrhaus gebaut werden soll." So zum Beispiel die Anwohner oberhalb in der Fritz-von-Briesen-Straße. Sie hätten aber wohl ohnehin kein Einspruchsrecht, weil ein Grundstück zwischen dem geplanten Neubau und ihnen liegt und sie somit keine direkten Anlieger sind, meint Sabine Rupp. Doch auch diesen Anwohnern drohe eine Wertminderung ihrer Häuser. "Wir müssen jetzt handeln", sagt Sabine Rupp. "Wenn das Feuerwehrhaus steht, ist es zu spät."

Text: Christoph Moll RNZ
Bilder: bz