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Mit Kamera und Pinsel im Odenwald unterwegs
Nicole Ahland und Joachim Kreiensiek verbringen als Kunststipendiaten drei Monate im Dilsberger Kommandantenhaus
10. September 2018
  
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Ritterburgen faszinierten Joachim Kreiensiek schon als Kind. Dass er die nächsten drei Monate jeden Morgen mit Blick auf die Feste Dilsberg aufsteht, ist für ihn Freude pur. Der Künstler hat das dreimonatige Stipendium der Kulturstiftung Rhein-Neckar erhalten. Genau wie die Fotografin Nicole Ahland, wird er diesen Herbst auf dem Dilsberg verbringen. Die befreundeten Künstler wohnen im Kommandantenhaus, der ehemaligen Schule des Ortes.
 
„Es hat einen großen Reiz an so einem Ort zu sein, ich möchte hier so viel Zeit wie möglich verbringen“, sagt der Maler, der gebürtig aus Bitburg stammt. Er möchte viel mit dem Dilsberg und der Umgebung arbeiten. „So viele alte Gebäude, da kann ich nicht wiederstehen.“, sagt er schmunzelnd. Seinen Arbeitsplatz hat Kreiensiek schon gefunden: Das kleine Atelier auf dem Brückenbogen. „Dieser kleine nüchterne Raum ist mir gerade recht!“, schwärmt er. Nächste Woche werde er seine Staffeleien und Pinsel ausbreiten. Kreiensiek ist vor allem für seine Arbeiten mit Stadtkarten bekannt. Er projiziert ein Dia vom Stadtplan und arbeitet dann mit Bleistift. Das Bild wird dann mehrmals mit Tusche eingerieben. So entstanden schon unter anderem Stadtpläne von Rom, Florenz oder Wiesbaden als monochrome Tafeln. „Vielleicht werde ich im Kreisarchiv in Ladenburg nach Stadtplänen der Region fragen“, überlegt der Künstler. Auf dem Dilsberg möchte er sich aber mehr auf realistische Arbeiten konzentrieren: „Vielleicht wage ich mich an die Mantelmauer der Burg.“
 
Auch für die Fotografin Nicole Ahland, die in Wiesbaden lebt und arbeitet, spielt die Umgebung und vor allem der Raum eine große Rolle. „Ich habe schon alle Möbel in meinem Zimmer verrückt, so dass ich mich wohl fühle“, erzählt sie. Ahland plant Streifzüge durch den Dilsberg und seine Umgebung. „Ich interessiere mich für skurrile Räume und ihrer Vergangenheit“ Sie sei auf der Suche nach Orten, die sich im Umbruch befinden oder die schon einer neuen Geschichte entgegensehen. Vielleicht wird die Fotografin mit ihrer Kamera die Jugendherberge Dilsberg erkunden oder das leerstehende „Hotel zum Schwan“ in Neckargemünd besuchen. „Ich habe sogar schon in verlassenen Häusern alleine übernachtet“. Grusel kennt die gebürtige Trierin nicht. In ihren Fotografien sind zerwühlte Betten zu sehen, verlassene Räume mit einem Foto an der Wand - „Der Mensch ist in meinen Fotografien spürbar aber nicht sichtbar.“ Nicole Ahland arbeitet analog. Das seien andere Prozesse als mit einer Digitalkamera. „Manchmal schaue ich mir Arbeiten erst Monate später an. Es kann sein, dass ich in einer ganz anderen Lebensphase wieder mit dem Dilsberg arbeite.“

Die beiden Künstler verbindet nicht nur die Leidenschaft für Kunst, sondern auch für das Wandern. „Wir wollen auf jeden Fall die Gegend erkunden“, da sind sich die beiden einig. Ihr erster Ausflug ging nach Mückenloch, auch den Burgstollen kennen sie schon. Als nächstes wollen die Künstler den Vierburgen Wanderweg auf der anderen Neckarseite in Angriff nehmen, denn es um Ritterburgen geht ist Kreiensiek immer von der Partie.
 
Drei Monate dürfen die Künstler in der Stille des Kommandantenhauses verbringen. Am 24. Und 25. November werden die beiden ihre Projekte in einer gemeinsamen Ausstellung vorstellen.

Text & Bilder: saro
13.09.2018