Choco Tafelkonzert01
   
Choco Tafelkonzert02
  
Choco Tafelkonzert03

Chopin als Zwischengang
Schokolade und Klassik kamen beim Tafelkonzert
in der Chocolaterie zusammen

29. September 2017

  
Klaviertöne klangen plötzlich vom Obergeschoss bis hinunter in die Küche der Chocolaterie. Als Eva Heß, die Chefin, nachsah, wer sich da am Klavier austobte, sah sie Tatjana Worm-Sawosskaja zum ersten Mal. Die in Usbekistan geborene professionelle Konzertpianistin hatte sich in die Chocolaterie und vor allem in den Flügel dort verliebt. Der ist ein Steinway und in Eva Heß Familie immer gehegt und gepflegt worden. Vor ein paar Jahren wurde er Stufe für Stufe in das Wohnzimmer der Chocolaterie hinaufgeschleppt. Dort stand er einsam, bis Tatjana Worm-Sawosskaja ihn vor eineinhalb Jahren entdeckte. Eva Heß war sofort dabei, als die Konzertpianistin vorschlug, die Idee der Tafelkonzerte auf dem Dilsberg wiederzubeleben. Die Atmosphäre sei genau richtig dafür, sagte sie. Und auch Eva Heß dachte: „Schokolade und Klassik? Warum eigentlich nicht.“
 
Die Gäste beim dritten Tafel Konzert dieser Art bekamen aber nicht nur Schokolade aufgetischt. Bevor es Nahrung für die Ohren gab, trugen die Kellner Kürbissuppe und Apfelkompott auf die wenigen Tische im Obergeschoss. Erst dann betrat Worm-Sawosskaja den Raum. „Wir beginnen unsere Reise in Wien“, sagte sie. Passend zur Suppe war das erste Beethovenstück leichter Natur. Mit Franz Liszt und seinen „Wanderjahren“ entführte sie die Zuhörer in die Schweiz. Gulasch, Herbstgemüse und Pralinenkartoffeln als Hauptspeise brachten sie wieder in die Chocolaterie zurück.  Mit gut gefüllten Bäuchen hörten die Gäste von einer romantischen Liebesgeschichte zwischen Franz Liszt und der Fürstin zu Sayn-Wittgenstein. Sie hatte ihre gesellschaftliche Stellung, ihren Mann und die Ukraine aufgeben um ihrem Liebsten zu folgen. Worm-Sawosskaja spielte die „Tröstung“ für die Fürstin mit so viel Gefühl, dass sie die Zuhörer wirklich berührte. Als zweiten Zwischengang gab sie die „Kleinen Stücke für die große Bühne“ zum Besten. Die Noctures, Nachtstücke,  von Chopin klangen nach Einsamkeit. Doch lange ließen die Zuschauer sie nicht in trauriger Stimmung verweilen. Die Gäste klatschten so lange, bis die Pianistin sich wieder den Klavierhocker zurechtrückte. Mit dem mit dem russischen „Petruschka“, zu Deutsch das „Kasperle, ihrer Meinung nach ein „nach außen skurriler und innen tiefgründiger Kerl“ beendete sie ihren Auftritt. Das Beste kam auch im Menü zum Schluss: Der warme Schokoladenkuchen badete in Vanillesoße und Zwetschgen sorgten für die fruchtige Note. Eva Heß ließ es sich nicht nehmen, diesen selbst zu den Gästen zu bringen. Leib und Seele waren an diesem Abend gleichermaßen versorgt, das sah man den Gesichtern an.

Text: saro
Bilder: lana
06.10.2017