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Zeit und Raum zur künstlerischen Arbeit
Stipendium der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis im Dilsberger Kommandantenhaus
28. März 2017
 
Ruhe und Raum zu denken und sich ganz der künstlerischen Arbeit zu widmen, diese Möglichkeit gibt das Stipendium der Kulturstiftung Rhein-Neckar-Kreis auf dem Dilsberg. Drei Monate im Kommandantenhaus, umgeben von wunderschöner Natur, mit einem Atelier auf dem Brückenbogen und viel Raum zur künstlerischen Entfaltung bietet dieses Stipendium, für das eine Empfehlung der Stiftung Kulturkreis Rhein-Neckar benötigt wird.

Veronika Witte und Karen Scheper haben ihr Können bewiesen, die beiden Berlinerinnen wurden zu dem Stipendium auf den Dilsberg eingeladen. Die drei Monate dienen zur Besinnung auf das Wesentliche: Die eigenen Projekte. Diese „Zeit zum Denken und Entwickeln oder zur künstlerischen Neubestimmung“ genießen die Stipendiatinnen sehr.
 
Kom Stipendiaten04 Veronika Witte hat ihre Arbeitsstätte im Brückenatelier eingerichtet. Hier entstehen Skulpturen, die von einer elementaren Fragestellung inspiriert sind: Was ist Körper heute? Wie und wovon wird der Körper beeinflusst und manipuliert? Die Berlinerin hat über Jahre mit ihrem Feldforschungsinstitut „ISF – Institut für sozio-ästhetische Feldforschung Berlin“ Menschen zu ihren Vorstellungen zu ihrem Körper gefragt. Begeistert zeigte sie Entstehungsprozesse von Zeichnungen Teilnehmender, die zur Grundlage von Videos, multimedialen Installationen und Skulpturen wurden. In Dilsberg löste sich die Künstlerin von diesem konzeptuellen Ansatz und erfindet nun keramische Körper, die sich ganz ohne Vorlage auf das eigene körperliche Substrat konzentriere. Sie stellte sich die Frage: „Ab wann ist ein Körper ein Körper? Welche Körper darf es geben? Welche Körper werden akzeptiert?“  Ihre weißen keramischen Skulpturen besitzen eindeutige körperliche Fragmente und verweisen in ihrer Geschlossenheit, Dichte und Form auf Aspekte der klassischen Bildhauerei. Und doch werden sie wieder in die Gegenwart zurückgeholt, indem sie befremdlich, beispielsweise mit modernen Kopfhörern ausgestattet werden. Inspiriert von der Dilsberger Umgebung lassen sich in ihrem Atelier sogar Teile aus der Umgebung finden. Geäst, das von tonartigem Material umschlossen wurde und sich zu kunstvollen Gebilden formt.
 
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Kom Stipendiaten06 Karen Schepers Werke gehen in eine andere Richtung. In ihren Zeichnungen setzt sie sich unter anderem  mit dem Realitätsbegriff und der Raum-Zeit-Wahrnehmung auseinander. „Zeichnen und Denken sind für mich verwandte Prozesse“, erklärte die Künstlerin. Jede Menge geschriebene und gezeichnete Worte und mitunter ganze Textabschnitte tauchen in ihren Arbeiten auf. So entstand ein Zyklus aus 21 Zeichnungen zu dem gerade erschienen Text „Finales Tagebuch“ von Eugen Januschke, der Teile des Inhalts in Gezeichnetes umsetzt und damit eine neue Ebene des Geschriebenen erfindet.
 
In Ausstellungen werden ihre Werke oft ortsspezifisch in einer Installation präsentiert. Manchmal entwickelt Karen Scheper einmalige Wand- oder Bodenzeichnungen für die jeweiligen Räume und die Installationen variieren so von Ausstellung zu Ausstellung. Hier auf dem Dilsberg zeichnet sie in ihrer gewohnten Arbeitsweise meist an vielen Werken parallel. In einigen Arbeiten lassen sich sogar Berglandschaften erkennen, hinter Ordnung und Chaos aus Wörtern.
  
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Beide Künstlerinnen sind sich einig: Das Beste am Künstlerberuf sei die Freiheit, die Schattenseite dagegen die Unsicherheit. In Karen Schepers Worten: „Der Künstlerberuf bedeutet vor allem wahnsinnig viel Arbeit und viele Entscheidungen, gleichzeitig aber große Unabhängigkeit“. Natürlich müsse man sich auch selber vermarkten, ergänzte ihre Kollegin. Nur wenige Künstler-innen könnten tatsächlich von ihrem Beruf leben. Gerade aus diesem Grund wäre das Stipendium ein Geschenk, denn hier könne man sich „zu 100 Prozent seiner Arbeit widmen“. Begeistert zeigten sich die Künstlerinnen von der landschaftlichen Umgebung: „Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster und denke: Ist das schön hier!“, schwärmte Veronika Witte.
  
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Die Ergebnisse der künstlerischen Arbeit werden am 29. und 30. April 2017 im Kommandantenhaus ausgestellt. Am  Samstag von 16:00 Uhr bis 19:00 Uhr und am Sonntag von 12:00 Uhr bis 17:00 Uhr sind die Besucher herzlich zu der Ausstellung namens „Im Gestrüpp“ eingeladen. Denn Karen Scheper schmunzelte „Irgendwann muss man seine Kunstwerke gehen lassen und sie dem Betrachter schenken.“
 
Text: saro
Bilder: lana
© www.dilsberg.de 30.03.2017