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„Obergrenze“ für die Jugendherberge?
Gemeinderat deckelt Ausgaben für die Sanierung der Dilsberger Einrichtung – Alter Vertrag nichts mehr wert?
11. November 2017
 
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Neckargemünd: Es war schon nach 22 Uhr, als die schon sicher geglaubte Rettung der Dilsberger Jugendherberge in der jüngsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderates plötzlich wieder auf der Kippe stand. Der Grund: Die Stadt soll für die Sanierung des ihr gehörenden Torturms aus dem 15. Jahrhundert als Teil der Herberge deutlich mehr zahlen als geplant: nämlich 405 000 statt 300 000 Euro. Die Frage lautete nun: Was ist die Jugendherberge der Stadt wert? Hätten die Stadträte „Nein“ zu einer Übernahme der Mehrkosten gesagt, wäre die Rettung wohl geplatzt. Und so sagten sie mehrheitlich bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zähneknirschend „Ja“. Für die Sanierung wurde eine „Obergrenze“ von 405 000 Euro festgelegt. Es ging aber noch um eine andere Frage: Was ist ein alter Vertrag zwischen der Stadt und dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) wert?

Zunächst ein kurzer Rückblick: Die denkmalgeschützte und traditionsreiche Jugendherberge auf dem Dilsberg mit zuletzt jährlich rund 10 000 Übernachtungen von 5000 Jugendlichen ist seit inzwischen zwei Jahren geschlossen. Das DJH hatte den Betrieb damals nach knapp 100 Jahren eingestellt, weil ihm erforderliche dringende Brandschutzmaßnahmen mit 1,8 Millionen Euro schlicht zu teuer waren. Gemeinsam mit der Stadt wurde nach einem Käufer gesucht, Bürger starteten eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung. Im letzten Herbst kam dann die erlösende Nachricht: Ein anonymer Spender will 1,5 Millionen Euro für die Sanierung geben. Der DJH-Vorstand nahm prompt den Schließungsbeschluss zurück. In diesem Sommer ging dann der Bauantrag bei der Stadt für die Renovierung ein. Weil dieser dem geltenden Bebauungsplan entsprach und keine Befreiungen erforderlich waren, wurde dieser genehmigt. Es sah so aus, als ob die Sanierung kommen könnte.
 
Doch nun kam die Nachricht über die Mehrkosten. Statt 1,8 Millionen Euro soll die gesamte Sanierung nun 2,67 Millionen Euro kosten – die Stadt soll statt 300 000 Euro nun 405 000 Euro zahlen. Doch muss die Stadt überhaupt etwas zahlen? Eigentlich nicht. Denn Dr. Franz-Georg Scheffczyk vom Immobilien-management der Stadt hat im Archiv eine Vereinbarung aus dem Jahr 1984 gefunden. Diese regelte, dass die Stadt dem DJH den Torturm mietfrei überlässt, dieser aber dafür alle Unterhaltungs-arbeiten tragen muss. Scheffczyk sah die angesetzten 405 000 Euro für den Torturm ohnehin als zu hoch an. Denn hierbei handle es sich um ein besonderes Kulturdenkmal, bei dem – anders als beim Rest der Herberge als einfaches Denkmal – jeder noch so kleine Eingriff in die Bausubstanz zu genehmigen sei. „Die geplanten weitreichenden Eingriffe am Torturm, wie eine Wandöffnung für einen Fluchtweg, sind nicht genehmigungsfähig“, unterstrich der Fachmann. „Der DJH hat so geplant, als wäre alles ein einfaches Denkmal.“ Scheffczyk sah hier die Möglichkeit für die Stadt, zu sparen.
  
Apropos Geld: „Wir sind der Meinung, dass wir die Kosten für die Sanierung des Torturms durch einen neuen Mietvertrag mit dem DJH refinanzieren sollten“, sagte Scheffczyk. Die Zeiten der mietfreien Nutzung des Torturms könnten für das DJH also vorbei sein. Bürgermeister Volk dämpfte aber gleich die Erwartungen: „Wir brauchen einen zeitgemäßen Mietvertrag, aber ich erwarte keine horrenden Einnahmen.“
 
Von Christoph Moll RNZ
Region Heidelberg vom Samstag, 11. November 2017
Bilder: bz
 

Kommentare  

# jugendherbergeToni müller 2017-11-12 10:34
Hätte man das Geld für den" Rainbacher Wasserfall" zum renovieren des Torturms verwendet, könnte man die Turmuhr sogar noch vergolden.
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